Monatsgeschichte

Einmal im Monat möchte ich mit Ihnen die neuste Babo-Geschichte teilen.

Babo entdeckt das Licht

Einmal – sie packte gerade ihren Rucksack – da blieb sie einen Moment sitzen und liess sich von der Sonne bescheinen.
Schön, dass du wieder da bist!
Der Winter war so düster und dunkel!
Babo fühlte sich zeitweise wie unter einem finsteren Tuch…
Das musst du jetzt einfach durchstehen!, sagte sie dann zu sich.
Schau, sie steht jeden Morgen früher auf!
Doch es zog sich hin.
Wie wunderbar!, dachte sie, als sie die Wärme spürte.
Sie betrachtete die Umgebung.
Das Grün, das nun ganz zaghaft hervorspross… und auch die ersten Blumen… Schneeglöckchen… Märzenbecher… Krokusse… dazwischen glänzten unzählige Blätter…
Sie blickte wieder in die Sonne.
Es ist das Licht. Das Licht zaubert alles hervor. Und sogleich gibt es unter den Bäumen den Schatten.
Wo Licht ist, ist auch Schatten!, rief Tante Ida aus, wenn die Sonne besonders kräftig schien.
Sie fand das immer blöde.
Die soll doch froh sein, dass es hell ist!
Doch nun verstand sie.
Da ist dieses Glitzern und Glänzen im hellen Grün… und daneben das intensive Dunkelgrün… beides nebeneinander…
Stell dir vor, da ist nur dieses helle, grelle Grün.
Ja, das ist Grün!, würdest du sagen, weil du nichts anderes kennst.
Doch durch das Licht entstehen alle Schattierungen… nicht nur ein Grün… viele Grün…
Wenn es nicht so lange so düster gewesen wäre, würdest du das Licht, das nun endlich wieder da ist, gar nicht schätzen.
Wir brauchen beides, dachte sie.
Sie seufzte.
Wir Menschen sind schon seltsam. Wenn es immer nur finster ist, jammern wir, und wenn da immerzu Licht ist, jammern wir auch…
Erst, wenn wir beides haben und es sehen, schätzen wir beides.
Dann sagen wir: Schau, das herrliche Licht!
Sie räkelte sich.
Ich hab dich echt vermisst! Nun kann ich auch das Dunkel wieder ertragen… zwischendurch…
Barbara Saladin