Monatsgeschichte

Einmal im Monat möchte ich mit Ihnen die neuste Babo-Geschichte teilen.

Babo sucht die Heimat

Einmal dachte Babo darüber nach, wie oft sie gefragt wurde:
Wo kommen Sie her? Warum wollen Sie zum Meer? Fällt es Ihnen nicht schwer, die Heimat zu verlassen?
Heimat?
Babo dachte immer wieder über das Wort nach.
Sie hatte einmal da gewohnt und dann wieder woanders. Es hatte ihr immer gefallen. Einmal war es in der Stadt, dann wieder auf dem Land.
Alles war schön!
In der Stadt konnte man mal schnell ins Kino oder sich am Abend spontan verabreden.
Auf dem Land war es herrlich, am Abend über die Felder zu gehen und Blumen zu pflücken.
Aber ich musste nie dableiben. Es fiel mir leicht, woanders hinzuziehen.
Sie hatte auch Freundinnen und Kollegen, die traurig waren, wenn sie fortzog.
Wir können uns ja jederzeit treffen!, tröstete sie sie.
Heimat?
Weil sie alles schön fand, musste sie sich nie mit etwas verbinden oder daran festkleben.
Ich ging immer leicht fort!
Freute mich auf das Neue und genoss dann jeden Ort in vollen Zügen.
Und nach einer Zeit spürte ich:
Nun ist es wieder Zeit, aufzubrechen!
Sie hatte auch nie Heimweh, von dem andere mit zerquältem Gesicht erzählten.
Freu dich doch, dass du Neues erlebst!, sagte sie zu den Heimwehkranken.
Kennst du das nicht?, fragten sie ungläubig.
Babo schüttelte den Kopf.
Da bin ich viel zu gern immer wieder an einem neuen Ort.
Aber dieses Gefühl: Hier bin ich zu Hause! Hier will ich nie mehr weg! Kennst du das nicht?
Babo überlegte.
Da ist es viel zu spannend, Neues zu entdecken.
Mit der Zeit zweifelte sie sogar an sich. Glaubte, dass sie kein Gefühl hätte. Die anderen heulten, und sie war frohgemut…
Bis sie eines Tages dahinterkam, warum sie so war.
Warum muss eigentlich dieser Ort immer im Aussen sein? Kann man nicht bei sich drinnen zu Hause sein? Also, Heimat in mir. Und die hab ich ja auch immer bei mir.
Sie seufzte.
Endlich hab ich es gefunden!
Ich dachte schon, ich sei ein gefühlloser Stein… wobei… wer sagt denn, dass Steine nicht auch fühlen können…
Barbara Saladin