{"id":1790,"date":"2026-01-08T19:04:35","date_gmt":"2026-01-08T18:04:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/?page_id=1790"},"modified":"2026-01-25T14:43:56","modified_gmt":"2026-01-25T13:43:56","slug":"geschichten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/?page_id=1790","title":{"rendered":"Geschichten"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Interview im Sommer 2020 von Andrea Sterchi f\u00fcr Frauenspur Gossau<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"700\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01-1024x700.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1503\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01-1024x700.png 1024w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01-300x205.png 300w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01-768x525.png 768w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS01.png 1193w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Geschichten brauchen Luft und Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Gespr\u00e4ch mit der Autorin und Wortk\u00fcnstlerin Barbara Saladin \u00fcber ihre Kindheit und ihr Leben, ihre Liebe zum Schweizerdeutsch und dar\u00fcber, was das Schreiben f\u00fcr sie bedeutet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Barbara Saladin, du bist in der N\u00e4he von K\u00f6ln in einem kleinen Ort namens Schlebusch aufgewachsen. Es herrschte Krieg. Woran erinnerst du dich in diesen ersten Lebensjahren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Meine Familie hat in einer Villa neben einem Textilbetrieb gewohnt. Mein Vater war Betriebsleiter. Die Gefahr von Bombenanschl\u00e4gen war allgegenw\u00e4rtig. Drei Jahre bis 1945 bin ich in diesem Tohuwabohu aufgewachsen. Ich erinnere mich an die Sirenen und daran, dass wir \u2013 ich habe zwei \u00e4ltere Br\u00fcder, meine Schwester wurde nach dem Krieg geboren \u2013 jeweils sofort in den Keller geschickt wurden. Einmal haben sie mich oben im Zimmer vergessen, sie haben mich dann aber sofort geholt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"888\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1502\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02.png 1280w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02-300x208.png 300w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02-1024x710.png 1024w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS02-768x533.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Das Elternhaus in Schlebusch<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine pr\u00e4gende Erinnerung. Gibt es mehr davon \u2013 ans Leben mitten im Krieg?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> An einiges kann ich mich selber erinnern, anderes haben sie mir erz\u00e4hlt. Zum Beispiel wie ich zu keuchen begonnen habe, wenn ich schrie. Vermutlich hatte ich einen Vitamin-D-Mangel, sie brachten mich dann ins Kinderspital in K\u00f6ln. Zu dieser Zeit wurde K\u00f6ln immer wieder schwer bombardiert. Ich erinnere mich nur schwach daran und doch hat es mich gepr\u00e4gt. Sobald ich Sirenen h\u00f6re, werde ich panisch. Eine Angst, die mich viele Jahre begleitet hat.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS03.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"481\" height=\"659\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS03.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1501\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS03.png 481w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS03-219x300.png 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS04.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"538\" height=\"654\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS04.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1500\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS04.png 538w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS04-247x300.png 247w\" sizes=\"auto, (max-width: 538px) 100vw, 538px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS05.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"497\" height=\"650\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS05.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1499\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS05.png 497w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS05-229x300.png 229w\" sizes=\"auto, (max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong><em>Gibt es auch sch\u00f6ne Erinnerungen?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Ich erinnere mich sehr gut an den ersten Karnevalsumzug in K\u00f6ln. Wir standen auf den Tr\u00fcmmern des Hauptbahnhofs. Damals war ich f\u00fcnf oder sechs Jahre alt und durfte meinen allerersten Luftballon aussuchen. Er war grau, nicht farbig, und vor lauter Freude liess ich ihn pl\u00f6tzlich los. Weil er mit Gas gef\u00fcllt war, flog er nat\u00fcrlich sofort weg. Ich war untr\u00f6stlich. Alles in allem hatte ich eine sch\u00f6ne Jugend. Unser Haus stand mitten in einem kleinen Park. Dies war sehr friedlich und auch das Dorf Schlebusch war sch\u00f6n. Jahre sp\u00e4ter besuchte ich es mit meinem Mann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was hatte sich ver\u00e4ndert?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Vieles. Ich ging durchs Dorf auf der Suche nach unserer Villa. Die war weg. An ihrer Stelle standen Wohnbl\u00f6cke. Ich dachte, ich sei gar nie geboren worden. Wo war der Kolonialwarenladen, wo es immer nach Kl\u00fcmchen und Kartoffeln gerochen hatte? War alles nur ein Traum gewesen? Mein Schlebusch gab es nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie hast du dies verarbeitet?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Ich habe \u00fcber meinen Besuch geschrieben, dar\u00fcber, wie mir das Dorf erschienen ist. Dann habe ich den Text an die lokale Zeitung geschickt. Und die waren begeistert und bedankten sich. Das ist meine Art, das Erlebte zu verarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was hast du von deinen Eltern \u00fcber das Leben gelernt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Mein Vater war ein grossz\u00fcgiger Mann. Er hat uns Kindern vieles erlaubt. Meine Br\u00fcder durften mit dem Unimog herumfahren. Mein Vater hat sich gut um die Familie gek\u00fcmmert. Nach dem Krieg, als das Essen knapp war, ist er umhergefahren und hat Stoffe gegen Lebensmittel getauscht. Daran erinnere ich mich sehr gut. Zudem haben wir Kinder eine gute Schulbildung genossen. Meine Br\u00fcder, und auch ich, machten die Matura. F\u00fcr meinen Vater als Nicht-Akademiker war dies selbstverst\u00e4ndlich, sogar f\u00fcr mich als M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bist du gerne zur Schule gegangen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara:<\/strong> Ich sage es einmal so, ich w\u00e4re im heutigen Schulsystem sicher lieber gegangen. Heute wird die Eigeninitiative sehr unterst\u00fctzt. Das h\u00e4tte mir gefallen. Aber damals war das nicht so. Alles war verboten. Das darf man nicht, jenes nicht, bei den Nonnen sowieso. Wobei ich sehr nette Klassenlehrerinnen gehabt habe. Nur war das ganze Schulsystem damals auf das Auswendiglernen auf das Runterrasseln ausgelegt, nur dann gab es gute Noten. Dies war gegen meinen freien Geist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was meinst du mit \u00abfreien Geist\u00bb?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>F\u00fcr mich heisst das, die Fantasie walten lassen. Nicht einfach nur etwas annehmen. Ich bin oft gegen den Strom geschwommen. Ich denke \u00fcber viele Dinge nach, die mir begegnen. Ich akzeptiere nicht einfach \u2013 ich bin keine Ja-Sagerin. Manchmal kommt dann etwas ganz Anderes heraus. Ich glaube, dass es das Mitdenken braucht. Ich bin oft angeeckt. Damals noch viel mehr als heute \u2013 altersbedingt. Heute nimmt man gewisse Meinungen von mir eher ernst. Fr\u00fcher war es vor allem f\u00fcr M\u00e4dchen schwierig, sich durchzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Im Gymnasium konntest du deinen freien Geist also nicht ausleben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Nein. Ich ging in Aachen zu den Ursulinen ins Gymnasium, ein M\u00e4dchenGymnasium. Damals durften wir dort keine Hosen tragen. Vor der Schule haben wir die R\u00f6cke aus dem Tornister geholt und uns umgezogen. Ich fand das damals schon so etwas von daneben. Ich besuchte den Typus mit Latein, lernte Englisch und Franz\u00f6sisch. In Latein war ich schlecht. Mann musste einfach Verben auswendig lernen. Auswendiglernen ist mir zutiefst zuwider. Ich habe eine zu rege Fantasie, bei allem kommt mein eigenes Denken und F\u00fchlen, meine Kreativit\u00e4t zum Tragen. Beim Auswendiglernen kann ich nichts beitragen. Ich habe nichts gelernt in Latein. Auch war ich nicht immer zufrieden mit den Noten, die ich f\u00fcr meine Aufs\u00e4tze erhielt. Irgendwann sagte ich mir: Jetzt reichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gegen den Willen deiner Eltern hast du das Gymnasium abgebrochen. Wie ging es weiter nach der Schule?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Mit 18 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Er kam aus Gossau SG. Zusammen mit meinem Bruder besuchter er die Textilingenieurschule. Ich ging zu jener Zeit in eine Handelsschule. Wir waren schon da befreundet. Hin und wieder besuchte ich die Schweiz. Mein Mann begann nach dem Studium im Familien-Textilbetrieb in Arnegg zu arbeiten. Es stellte sich also die Frage, wie es weitergehen sollte. Mein Mann meinte, ich sollte nach St.Gallen kommen. Also habe ich mich nach einem Job umgesehen, zum Beispiel in einer Buchhandlung. Und Herr Fehr von der Fehrschen Buchhandlung in St.Gallen wollte mich haben, und erst noch, weil ich Latein hatte. Wir waren da aber bereits verlobt und haben kurz darauf geheiratet \u2013 im Jahr 1964. In der Fehrschen Buchhandlung habe ich letztlich nie gearbeitet. Ein Jahr nach der Heirat bekamen wir unser erstes Kind, 1965 eine Tochter und zwei Jahre sp\u00e4ter einen Sohn.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS06.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"656\" height=\"884\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS06.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1498\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS06.png 656w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS06-223x300.png 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Barbara und Franz Saladin-Haas, 1964&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS07.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"912\" height=\"886\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS07.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1497\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS07.png 912w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS07-300x291.png 300w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS07-768x746.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Tochter (1965) und Sohn (1967)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>So kamst du in die neue Heimat. Wie hast du die Schweiz erlebt, als du 1964 hergezogen bist?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Mein Mann hatte mich gewarnt. Ich solle nicht eingeschnappt sein, wenn es heisst: \u00abCheibe D\u00fctschi!\u00bb Mir wurde schnell klar, dass ich Schweizerdeutsch lernen musste. Heute fragen mich viele Leute, ob ich aus dem B\u00fcndnerland oder der Westschweiz komme. Aber Negatives habe ich nie geh\u00f6rt und erlebt \u2013 in all diesen Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schweizerdeutsch zu lernen, fiel dir nicht schwer. Du hast dich schon fr\u00fch f\u00fcr Sprachen interessiert. Wie kam es dazu?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich habe ein Musikgeh\u00f6r. Schweizerdeutsch habe ich bald verstanden. Und mit meiner Fantasie war es einfach, gewisse Worte herzuleiten. Ich habe zudem eine grosse Freude an Spezialausdr\u00fccken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Von der Freude an Sprachen und Worten ging es einen Schritt weiter. Barbara die Autorin \u2013 wann nahm dies seinen Anfang?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Schon in der Schule habe ich gemerkt, dass ich zu jedem Thema etwas schreiben konnte. Grammatikalisch manchmal fehlerhaft, aber meine Fantasie liess mich nie im Stich. Fr\u00fcher gab es die Rubrik im Tagblatt \u00abMit den Augen einer Frau\u00bb oder so. Da habe ich mir gedacht, das kann ich auch. Auch wenn ich es noch nie gemacht hatte. Eines Tages schickte ich einfach einige Texte an die Redaktion. Die R\u00fcckmeldung war sehr gut. Ich solle mich bei Herbert Bosshard melden. Der baue gerade die Redaktion in Gossau auf. So habe ich zusammen mit ihm f\u00fcr die Zeitung gearbeitet. Er schenkte mir Vertrauen. So habe ich begonnen. Mit G(l)ossau und Theobald \u2013 einer Idee von mir. Heute muss nichts mehr mit meinem Namen erscheinen. Ich habe sehr viele Texte geschrieben. Humor, Satire und Glossen zu schreiben, das macht mir Freude. Ich habe diese humorvolle Seite in mir. Fr\u00fcher war es noch etwas mehr Satire. Heute muss ich nichts mehr \u2013 ich schreibe vers\u00f6hnlicher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine Spezialit\u00e4t von dir sind Portr\u00e4ts. Erinnerst du dich an dein erstes?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Mit den Portr\u00e4ts begann ich 1984. Das erste war mit Vreni Schaller, die Frau von<\/p>\n\n\n\n<p>Alois Schaller. Ich fragte sie spontan an und sie sagte sofort zu. Alois Schaller war Religionslehrer und initiierte den Bibelgarten. Unter dem Motto \u00abFrauen, die ihre Frau stellen\u00bb habe ich ungef\u00e4hr 60 bis 65 Portr\u00e4ts geschrieben. Es gab immer wieder interessante Frauen, die aber nicht in die Zeitung wollten. Diese Entscheide galt es zu respektieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast aber nicht nur journalistische Texte geschrieben, sondern auch Literatur.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Mein literarisches Schreiben begann mit Weihnachtsgeschichten f\u00fcr meine Kinder. Sie waren damals zwischen 12 und 14 Jahre alt. Ich suchte in den Buchhandlungen nach Geschichten f\u00fcr dieses Alter. Da ging es meistens um arme Kinder in Russland, die kaum etwas zu essen hatten und vielleicht ein Paar Wollsocken zum Fest bekamen. Das war es nicht. Und so keimte in mir die Idee: Ich schreib sie selber ! Es sollten Geschichten von heute sein f\u00fcr Menschen, die hier leben. So entstanden die ersten 15 Weihnachtsgeschichten, die dann im zyt-los Verlag erschienen. Am Schluss waren es drei B\u00fccher mit dem Titel \u00abWeihnachten \u2013 heute\u00bb. Eine Frau hat mir einmal an einer Lesung gesagt, dass es Weihnachtsklassiker sind. Danach kamen noch die Fabeln, in denen Tiere feststellen, dass es miteinander besser geht. Doch es geht immer um Menschen in ihrer ganzen Farbigkeit. Wie in \u00abDie Farbe des Himmels<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"837\" height=\"1093\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1496\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08.png 837w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08-230x300.png 230w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08-784x1024.png 784w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS08-768x1003.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 837px) 100vw, 837px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"853\" height=\"1083\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1495\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09.png 853w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09-236x300.png 236w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09-807x1024.png 807w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS09-768x975.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 853px) 100vw, 853px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong><em>Und wann entstanden die Chl\u00e4usler-Geschichten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Sie kamen sp\u00e4ter dazu. Sie entstanden, als mich Herbert Bosshard anfragte, ob ich nicht eine Chl\u00e4usler-Geschichte h\u00e4tte. So schrieb ich die erste. Und wenn ich einmal anfange, dann gibt es eine um die andere. So sind zehn Chl\u00e4usler-Geschichten entstanden. Die Stadt Gossau hat das Projekt finanziell unterst\u00fctzt. Das Buch \u00abChl\u00e4usler\u00bb konnte ich auch teilweise an Firmen in Gossau und an Banken verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du bist sozusagen ins Schreiben hineingerutscht?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Das kann man so sagen. Die ersten Texte habe ich Michael Guggenheim zum Lesen gegeben. Er schrieb f\u00fcrs Tagblatt und gab Schreibwerkst\u00e4tten. Ich besuchte eine in Wil, um einmal eine Resonanz zu erhalten. Er war hochbegeistert von meinen Geschichten und ermunterte mich, weiterzumachen. Ich habe intuitiv geschrieben und nie einen Kurs besucht. Vieles war \u00ablearning by doing\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Job und Familie unter einen Hut zu bringen, war damals bestimmt nicht einfach, oder?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Damals war mir wichtig, wieder in den Berufsalltag einzusteigen. Schreiben ist eine Arbeit, die man gut von zu Hause aus erledigen kann. Ein Interview von ein bis zwei Stunden l\u00e4sst sich problemlos organisieren. Alles in allem habe ich wohl rund 220 Leute interviewt. Die fertigen Texte erschienen im St.Galler Tagblatt. Zudem schlug ich die Serie \u00abGossau wie es einmal war\u00bb der \u00abOstschweiz\u00bb vor. Rund 30 bis 35 Portr\u00e4ts sind so entstanden. Danach hatte ich ebenfalls in der Ostschweiz die Rubrik \u00abZwischendurch\u00bb. Kurze Interviews f\u00fcr den Mittag, f\u00fcr zwischendurch. Kurz, knapp und spannend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das sind wahnsinnig viele Frauen-Portr\u00e4ts und pers\u00f6nliche Geschichten. Was geschieht damit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Grunds\u00e4tzlich bin ich froh, dass ich meine vielen Portr\u00e4ts ins Frauenarchiv geben kann und dass diese weiterhin bestehen bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Spannende Projekte begleiten dich bis heute. Ein aktuelles ist die Aufarbeitung von R\u00f6sli Kruckers Leben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ja, dies ist wahrlich ein spannendes Projekt. R\u00f6sli Krucker schreibt kurze Geschichten \u2013 alle Geschichten sind aus ihrem Leben. Sie schreibt jedoch von Hand. Friedy Trottmann digitalisiert die Daten und schreibt die Geschichten ab. Ich versuche zusammen mit Friedy die kurzen Geschichten in eine sinnvolle Abfolge zu bringen. R\u00f6sli Krucker ist bald 90 Jahre alt. Wir helfen ihr dabei, ihr Leben anhand ihrer Geschichten und Gedichte aufzuzeichnen. Wir versuchen, ihrem Stil der aneinandergereihten Geschichten treu zu bleiben, und so eine von ihr geschriebenen Lebensgeschichte zu entwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schreiben ist dein Hobby, dein Beruf, deine Leidenschaft?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ja. Schreiben ist viel mehr als mein Hobby. Aber auch harte Arbeit, Knochenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor zwei Jahren drehte sich mein Leben um 180 Grad. Da war ich kurz vor einem Burnout. In Zeiten, in denen du ins Bodenlose f\u00e4llst, ist Schreiben fast nicht m\u00f6glich. Jetzt fange ich wieder an, mich meinen Geschichten zu widmen. Es macht mir wahnsinnig Freude, denn es ist ein Teil von mir. Geschichten brauchen Luft und Raum \u2013 nur so k\u00f6nnen sie entstehen. Es gibt Zeiten, da ist eine Geschichte pl\u00f6tzlich da. Also setze ich mich hin und beginne zu Schreiben. Denn morgen ist sie wieder weg. Es kann eine ganz andere Geschichte werden und sich v\u00f6llig ver\u00e4ndern. Das geschieht spontan, zum Beispiel w\u00e4hrend des Schreibens einer Geburtstagskarte f\u00fcr eine Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Hat sich dein Schreiben \u00fcber die Jahre ver\u00e4ndert?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich denke schon. Ich bin jemand, der eher zum Konzentrat neigt. In meinem Literaturklub, wenn die Leute etwas Selbstgeschriebenes bringen und vorlesen, dann ist immer die erste Frage in meine Richtung: Kann man da noch etwas streichen? Alle lachen und wissen, jetzt kommt wieder etwas. Das Konzentrat verhilft einem dazu, dass man sich wirklich dar\u00fcber im Klaren ist, was man schreibt. Ergibt das einen Sinn? Stimmt das? Ist das stimmig? Je k\u00fcrzer die Form ist, desto stimmiger muss es sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Bist du selber zufrieden mit deinen eigenen Texten?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich schreibe von Hand, immer. Ich komme aber nicht immer sofort dazu, die Texte im Computer zu erfassen. Dann lasse ich sie liegen \u2013 manchmal ein, zwei Monate lang. Danach lese ich sie nochmals durch. Ganz nach Elias Canetti, der einmal gesagt hat, man solle die Texte wie unreife \u00c4pfel einfach hinlegen und reifen lassen. Dies dauert manchmal ein halbes Jahr lang. Man nimmt den Text wieder hervor und es ist ein fremder Text. So sehe ich, was mir gef\u00e4llt und was nicht so gut ist. Ich bin kritisch mit mir. Der Text soll spannend sein f\u00fcr die Lesenden. Je \u00e4lter ich werde, desto wichtiger scheint es mir, dass der Text etwas ausl\u00f6st. Es geht mir um das Thema, die Geschichte. Die Geschichte, ob sie jetzt von mir ist oder von jemand anderem, sie sollte aufgehen und sollte vielleicht auch erfreuen oder zum Nachdenken anregen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du erw\u00e4hnst deinen Literaturklub. Wie und wieso gr\u00fcndet man einen solchen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Der Literaturklub ist einfach so entstanden. Nach einer Lesung im Tertianum kamen einige auf mich zu und fragten, ob ich nicht so etwas wie einen Literatur-Club machen k\u00f6nnte. Zusammen B\u00fccher zu lesen, gibt mir jedoch keinen Mehrwert. Wenn, dann besch\u00e4ftigen wir uns mit Worten. Was sind Worte? Wie bewegen Worte? Wie Sprache finden? Ich will immer andere dazu motivieren, ihre eigene Sprache zu finden. So trafen wir uns einmal im Monat im Tertianum. Das war 1995. Parallel dazu habe ich einen Literaturklub in Gossau gegr\u00fcndet. Diesen gibt es noch heute. Zwischen sieben und zehn Frauen nehmen daran teil. Verschiedene Frauen kommen zusammen, von Winterthur \u00fcbers Rheintal bis ins Toggenburg. Sehr spannend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Da war auch R\u00f6sli Krucker mit dabei, oder?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ja, sogar 20 Jahre lang. Ihre grosse Leidenschaft sind Dialektw\u00f6rter. Sie kannte noch Ausdr\u00fccke, die man heutzutage gar nicht mehr gebraucht. Bei den j\u00fcngeren Personen l\u00f6ste dies jeweils Erinnerungen an ihre Grosseltern aus. R\u00f6sli staunte immer dar\u00fcber, dass mich als Deutsche der Dialekt so interessiert. Mit der Nationalit\u00e4t hat dies nichts zu tun. Schweizerdeutsche Ausdr\u00fccke kommen auch bei D\u00fcrrenmatt immer wieder vor. Ein spannendes Thema also, das mich fasziniert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Neben dem Literatur-Club war auch die \u00abCo-Autorenschaft\u00bb ein spannendes Projekt. Worum ging es und wie kam es dazu?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Wir waren vier Frauen und hatten gemeinsame Auftritte. Das war zwischen 1994 und 1998. Wir schrieben miteinander zu einem Thema. Sp\u00e4ter trugen wir unsere Texte und Gedicht an Lesungen vor. Dieses kreative Miteinander ging drei oder vier Jahre. CoAutorenschaft ist ein schwieriges Thema. Vor allem, wenn jede eine v\u00f6llig andere Sicht der Dinge hat. Die B\u00fccherschachtel \u00abVier und weit Meer\u00bb wurde schliesslich im SABA \u2013 Verlag herausgegeben. Es ging finanziell grad auf mit den Lesungen und dem Verkauf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1304\" height=\"902\" src=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1494\" srcset=\"https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10.png 1304w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10-300x208.png 300w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10-1024x708.png 1024w, https:\/\/www.barbara-saladin.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/FS10-768x531.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1304px) 100vw, 1304px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Die \u00abSchachtelweiber\u00bb Gabriele C. Leist, Lisa Tralci, Marie-Claire Baumann, Barbara Saladin (11.11.1995)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das war aber nicht alles. Dann kam das Nachtcaf\u00e9 in Flawil dazu.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Genau, neun Jahr habe ich das Nachtcaf\u00e9 zusammen mit Helga Giger geleitet. Jedes Jahr haben wir rund vier bis f\u00fcnf Treffen organisiert. Dazu kam die Ostschweizer Poetry Nights, welche wir einmal j\u00e4hrlich durchgef\u00fchrt haben. Da konnten alle, die gerne schrieben, ihre Texte bringen. Wir haben interessante Frauen eingeladen. Zum Beispiel Aglaja Veteranyi. Das war eine sehr spannende Frau mit ihren B\u00fcchern. Auch die Schauspielerin Regine Weingart war bei uns. Und Unternehmerinnen, Liedermacher und Liedermacherinnen, Autorinnen und Verlagsmitarbeitende. Wir wollten Frauen die M\u00f6glichkeit geben, sich zu pr\u00e4sentieren. Eine tolle Sache, die f\u00fcr mich nach neun Jahren zu Ende war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Haben dich politische Texte nie gereizt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Dazu habe ich wohl eine zu grosse Fantasie. Politische Texte sollen korrekt sein und stimmen. Nein, sie haben mich nie gereizt. Und ich habe lieber Theaterst\u00fccke geschrieben. Mir liegen Dialoge. Die entstehen ganz einfach. Ich schreibe sie rein intuitiv, ich kann nicht erkl\u00e4ren, wieso ich das kann. Da fliesst es einfach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Barbara Saladin \u2013 die Krimi-Autorin? Was steckt dahinter?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich habe eine Namensvetterin, die Krimis schreibt. Das f\u00fchrte oft zu Verwechslungen. So verweisen wir gegenseitig auf unseren Websites aufeinander. Wir haben noch mehr Gemeinsamkeiten: Wir haben den gleichen B\u00fcrgerort. Auch sie ist dunkelhaarig und gross \u2013 wie ich, sie schreibt jedoch ganz anders. Inzwischen h\u00f6rt man nichts mehr von ihr. Sie hat mir damals ihr Buch geschenkt und ich ihr meines. W\u00fcrde ich heute noch f\u00fcr die Zeitung schreiben, w\u00e4ren die beiden Autorinnen mit dem gleichen Namen eines der ersten Dinge, \u00fcber die ich berichten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schreibt eines deiner Kinder? Hast du dieses Talent weitergegeben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Nein. Sie haben gerne gelesen. Sie bekamen nat\u00fcrlich alle B\u00fccher dieser Welt von mir. Das ist klar. Mein Sohn sagte mir letzthin, dass er wegen mir heute so gerne liest. Er hat ein uraltes Foto ausgegraben, auf dem wir nebeneinandersitzen und ein Buch anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Kommen wir auf deine Babo-Geschichten \u2013 wie sind diese entstanden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich schreibe gerne Kurzgeschichten, die noch etwas Fleisch am Knochen haben. Die Babo-Geschichten haben diese L\u00e4nge, ich kann sie gar nicht \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Kannst du dich bei Kurzgeschichten am meisten ausleben?<\/em>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich glaube schon. Die Babo hat sich ergeben. In fr\u00fcheren Mythen war es immer der Held, der in die Welt hinaus ging und das eine oder andere erlebt hat. Nie war es eine Frau. Die Babo ist eine Frau, die in die Welt hinausgeht und unterwegs alles M\u00f6gliche erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wer ist Babo?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Viele fragen, ob Babo f\u00fcr Barbara steht? Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Babo gibt es aber. Eine Urmutter von irgendwo. Wenn ich jetzt eine Geschichte schreibe, ist das immer Babo, die sich irgendwelche Gedanken macht oder der etwas passiert. Es hat sicher viel von meinem Denken drin in den Geschichten. Von meinem Denken kann ich ja nicht absehen. Die Geschichten sind aber \u00fcberhaupt nicht autobiografisch. Ich bewundere den Mut von Babo und w\u00fcnschte, ich w\u00e4re in diesem Alter so mutig gewesen und h\u00e4tte so viel erlebt. Was ihr alles passiert unterwegs. \u00abBabo auf dem Weg\u00bb sind 77 Geschichten und ich habe nat\u00fcrlich weitergeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie geht es weiter mit Babo?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich suche eine Person, die die Babo-Geschichten mit den neuen Medien ver\u00f6ffentlicht. In meinem Alter m\u00f6chte ich mich darin nicht mehr vertiefen. Es gibt heute so viele M\u00f6glichkeiten, dass ich denke, die Geschichten sollten in die Welt hinaus. Und da braucht es eine Person, der die Geschichten gefallen, die dahintersteht und mir dabei hilft. Ich bin auch bereit, was immer sich da ergibt, zu teilen. Ich muss damit nicht Gott weiss wieviel Geld verdienen. Ich weiss einfach, dass sie in die digitale Welt hinaus sollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Babo 4.0 wie man so sch\u00f6n sagt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Genau. Das Sch\u00f6ne an den Geschichten ist, dass sie so vielf\u00e4ltig sind. Und in ihrer Art eine Antwort auf den Zustand unserer Welt gibt. Es hat f\u00fcr jede eine Geschichte drin und das w\u00fcrde in die heutige Welt passen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>W\u00e4rst du manchmal gerne selber mehr durch die Welt gereist? Wie Babo?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Ich war fr\u00fcher vom Denken und F\u00fchlen her frei und w\u00e4re mit meinem Mann auch nach Australien gezogen. Eine Reise bedeutet f\u00fcr mich immer wieder neue Inspirationen. Sie erm\u00f6glicht neue Erkenntnisse. Es gab Orte, die wollte ich unbedingt sehen. Wir haben S\u00fcdamerika und China bereist \u2013 mitten in der Revolution 1989. Wir waren Augenzeugen und sind mit den letzten Flugzeug ausgeflogen. Wir hatten gesp\u00fcrt, dass sich etwas zusammenballt. Heute im Alter merke ich, dass Hawaii irgendwie auch daheim sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie das?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Barbara: <\/strong>Es liegt an jedem von uns, was man aus dem eigenen Zuhause macht. Ob man nur in den eigenen vier W\u00e4nden sitzt oder hinausgeht unter die Leute. Hawaii kann ohne weiteres in St.Gallen sein. Reisen ist f\u00fcr mich heute nicht mehr vordergr\u00fcndig wichtig. In meiner Fantasie darf alles geschehen. Wie bei Babo, die sich auf einer Reise befindet. Ich habe eine Idee. Dann fange ich mit dieser Idee an. Sie entwickelt sich manchmal in eine Richtung, die h\u00e4tte ich mir vorher nie vorgestellt. Ich sage dann nicht, ich hatte eigentlich etwas anderes im Sinn. Ich lasse mich darauf ein, es schreibt und irgendwann kommt sie zu einem Schluss, der auch f\u00fcr mich \u00fcberaus \u00fcberraschend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Notiert: Andrea Sterchi, Mitarbeit: Jeanine Kobler<\/p>\n\n\n\n<p>Gossau, 15.8.2020<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B\u00fccherliste<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten \u2013 heute<\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten \u2013 heute 2<\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten \u2013 heute 3<\/p>\n\n\n\n<p>CD Weihnachten \u2013 heute, 7 Weihnachtsgeschichten<\/p>\n\n\n\n<p>Miteinander geht\u2019s besser<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatte alles<\/p>\n\n\n\n<p>Cl\u00e4usler oder\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farbe des Himmels<\/p>\n\n\n\n<p>Schachtelweiber Vier und weit Meer<\/p>\n\n\n\n<p>Tage gibts<\/p>\n\n\n\n<p>Babo auf dem Weg<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.frauenspur-gossau.ch\">https:\/\/www.frauenspur-gossau.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview im Sommer 2020 von Andrea Sterchi f\u00fcr Frauenspur Gossau Geschichten brauchen Luft und Raum Ein Gespr\u00e4ch mit der Autorin und Wortk\u00fcnstlerin Barbara Saladin \u00fcber ihre Kindheit und ihr Leben, ihre Liebe zum Schweizerdeutsch und dar\u00fcber, was das Schreiben f\u00fcr sie bedeutet. 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